Lyrik Dunkelsteinschimmersaal I

Intro (Instrumental)

Sono Unius I


Ich erschrak, als ich sie das erste Mal sah.
Kaum hatten meine Augen den ersten Umriss erfasst, nahm ich immer mehr in den Augenwinkeln wahr.
Es waren viele, doch sie waren so still.


Mittlerweile traue ich mich an sie heran. Aus der Nähe kann man erkennen, dass sie leicht durchsichtig sind.
Selbst wenn ich ihnen ganz nah bin, kümmere ich sie nicht. Sie sehen mich allerhöchstens kurz an,
wenn ich Laute von mir gebe. Sie gleiten direkt an mir vorbei.


Sie sind ziellos. Irgendwann verschwindet ein jeder von ihnen, mal dauert es länger, mal geht es schnell.
Ich bin einigen gefolgt, die bestimmt Stunden umhergewandert sind, es ist schwer, die Zeit hier zu überblicken.
Bei anderen habe ich es aufgegeben; ich war zu müde vom hinterherlaufen.


Noch habe ich mich nicht getraut, einen zu berühren...

Asmarae


Sieh, dort hinten ragen Türme,
aus dem Stein hoch in das Schwarz, aus
Eisen auch und keine Stürme,
nicht ein Wind, tagein, tagaus


Zu ihren Füßen dichter Dunst,
Stein bedeckt das Himmelszelt,
Stalaktiten in voller Kunst,
so erblickst du diese Welt


Asmarae


In diesem Land fällt selten Licht,
die Weite liegt in Dunkelheit,
nur Feuer erleichtert die Sicht,
auf kalten Felsen weit und breit


Wie hast du hier her gefunden?
Findest du denn jemals weg?
Der Anderswelt seltsam verbunden,
zweifelst du an Sinn und Zweck


Das Findelkind hat stur gesucht
und wurde so in Stille fündig,
die Weiten sind wie verflucht
und präsentieren sich abgründig


Monumente aus den Schwaden,
die Tristesse umgarnt dich jäh,
folge aufmerksam den Pfaden,
willkommen, hier, in Asmarae

Dunkelsteinschimmersaal


In der Ödnis stehen Häuser
hinter Fenstern scheint warmes Licht

Schräge Dächer, alte Dielen
ihre Bewohner stört es nicht


Durch die Straßen ziehen Wesen,
ganz ohne Ton, sind Schatten nur

Sie ignorieren dich Besucher,
gleiten lautlos, bewegen sich stur


Transluzenz, der Fackelschein verwoben,
schweben Konturen nur umher
Gekleidet schlicht, in Schwarzen Roben,
apathisch strebend, und nicht mehr


In den Weiten Kreaturen,
wandern rastlos ohne Halt

Sind sie eben noch erschienen,
verschwinden sie auch schon bald


Keine Laute, keine Stimmen,
die Sterne haben sie ihnen geraubt

Doch nun sind sie unauffindbar,
sind so lang schon totgeglaubt


Bevölkern diese Welt in ihrem Sein,
selbstverständlich, schön und losgelöst
Die Stille abfordernd, so rein,
Asmarae, wie es voller Stolz döst


Asmarae, wie es voller Stolz döst


Wer könnte diese Stille füllen?
So immernent, gar überall
Nur sie kann dich so sanft einhüllen
im Dunkelsteinschimmersaal

(H)Erzfunke(l)n


Funkelnd legt sich hellblauer Schein,
ergießend auf karges Gefilde,
erleuchtet wahrend matten Stein,
als heller Punkt in dunklem Bilde


Davon ganz umhüllt, steht ein Bauwerk,
herrschaftlich und majestätisch wie
ein Palast fast und fleißig schleppen Wesen
Kristalle in diese Raffinerie


Die Energie in dieser Welt
entspringt aus jenem wunderschönen Erz
Ein steter Vorrat, der so lang schon hält,
befeuert Asmaraes hellblaues Herz


Hunderte kleine Gestalten, die
es sicher auf dem langen Wege tragen
zwischen Schutt, Asche und vielen Felsen,
die aus dem Grund nach oben ragen.


Weit entfernt, mit schwerem Hackenschlag,
beschaffen Kobolde jeden Tag,
was einzig und allein der rohe Fels

für sie preiszugeben vermag


Fleißig schlagen sie im engen Schacht,
mit jedem Mal ein Funkenstrom entfacht,
die Zeit vergeht hier schnell und nie
zugleich, ist es doch immer Nacht


Dem Schattenmeer droht Konkurrenz,
wie der Kristall Schein emittiert
in ungeahnter Divergenz,
in luzidem Glanz versiert


Die Ruhe weicht nur hin und wieder,
das Werkzeug rast beharrlich nieder,
gibt penetrante Melodien,
wie ewig monotone Lieder


Kein Schall dient Kommunikation,
kein Geschöpf spricht jemals einen Ton,
nur der Wind hebt selten seine Stimme,
die Lunge überm Herzen füllt er schon


Es ist das Erz, das Leben bringt
und mit arkaner Macht benetzt,
die wirklich alles hier durchdringt,
deren Schimmer sich hier festsetzt


Und das Herz schlägt eifrig immerzu
verlangt stets nach neuem Kristallfraß
Die vielen Hände reichen ihn im Nu,
weil es schon immer hier unten saß

Sono Unius II


Sie sind so fleißig.
Ich weiß nicht genau, wie lange ihre Schichten in den Minen dauern, aber es ist unglaublich lang.
Mit was für einer Überzeugung sie diesen hellblau leuchtenden Stein abbauen, nur um ihn danach kilometerweit zu tragen.


Es gibt nicht viele der riesigen Gebäude, deshalb sind die Wege so weit.
Ich könnte schwören, dass ihr Leuchten intensiver geworden ist, seitdem ich hier bin, doch noch immer reicht es nicht, um bis an die Decke zu strahlen. Aber muss eine geben, die Stalaktiten verraten sie.


Ein Zucken geht durch meinen Körper. Wie Lange haben ich ins Schwarz gestarrt?

Obsidianspiegel


Langsam über stilles Wasser,
das daliegt wie ein schwarzer Spiegel,
schweben ohne Reibung fast
mehrere Schiffe durchs Nass der
Leere, mit Masten in der Höhe,
an denen stolze Segel hängen,
jedoch nur ganz leicht ausgefüllt
von der stets zärtlichen Böe


Wenn die Büge am Felsen halten,
regt sich Leben an Bord,
es verlassen Gestalten
das Deck ohne ein Wort

Rüstung klappert auf den Planken,
makellos nicht, zugesetzt,
der sie so viel verdanken,
die Körper mit Staub benetzt


Und ihr weg führt zu den ander'n
in musiklose Tavernen,
zu den Dörfern überall,
beginnen sie nun zu wandern


Welche Pflicht hat ihnen wohl schier
das Leben abverlangt, weit weg
an vergessenen Orten,
vergess'ner noch als dieser hier


So ruht Euch aus
von keiner Pflicht,
von keinem Kampf,
von Arbeit nicht


Vergess'ne Kriege,
die sie schlugen
in die sie ihre
Rüstung trugen,


So lang die Reise,
grausame Taten,
doch keine Lieben,
die auf sie warten

Aus Stein und Eisen


Sieh, dort hinten ragen Türme,

aus dem Stein hoch in das Schwarz,
doch einer von den unzähligen

hier zentral schon immer saß


Ein Machwerk für Äonen,

zum Teil geschlagen aus dem Stein,
zum anderen aus Eisen, stark,

kein Wille könnte stärker sein


Wie die Quelle allen Dunkels,

wie der Schöpfer dieser Welt,
wie das Wissen allen Lebens,

das Asmarae zusammen hält


Uneben die Oberfläche,

die Struktur ist ebenso
unbarmherzig wie die Stille,

Fenster gibt es nirgendwo


Doch am Fuße sitzt ein Tor,

so riesig, so schwer,
es zu bewegen übersteigt

die Vorstellungskraft so sehr


Aus purem Stein ist diese Pforte,

dieser massive Wall,
dahinter hört man kein Geräusch,

dieses Tor passiert kein Schall


Die Festung wacht über den Fels,

bis die Zeit endet,
ein niemand betritt den Turm und

niemand wird jemals entsendet,


im Inneren sind Kreaturen

mit allerlei Arbeit vertraut,
sie haben diesen Turm schon

vor Jahrtausenden erbaut


Sie betätigen Mechanismen,

widmen sich der Pflicht,
Liebe, Hoffnung, Leiden oder

Freude existieren nicht


Doch hin und wieder gibt es Regung

und der Turm erwacht,
leben wird ihm eingehaucht

und Lichter werden hell entfacht


Entlang der Fassade entfesseln

sich Feuernarben
und tauchen sie unheilvoll in

selten erblickte Farben


Wenn dies Leuchten sich ergießt,

wirft sich eine Melodie
von der Spitze in die Tiefe,

und alle Wesen hören sie


So entspringt sie aus der Festung,

lichterloh im Feuersturm,
eine Zeit lang, nicht nur kurz,

verkündet sie der Eisenturm


und er wird noch die fernsten Weiten

mit ihr einhüllen
nichts bis auf die Melodie,

könnte diese Stille füllen

Konnex


In der Luft schweben Sphären,

Risse im Raum,
die ein Flimmern gebären,

dort am Kontinuumssaum

Aus ihnen dringen Stimmen,

Musik und Ton,
als sie durchs Portal verschwimmen,

verhallen sie dahinter schon


Brücken in eine andere Welt,
Musik, die das Dunkel erhellt

vergeht einsam auf Stein,
könnte fremder nicht sein,
hallt ins Schwarz und keine
Antwort wird je widerschwingen


Viele von ihnen verharren,
wenn sie es sehen,
lauschen aufmerksam, starrend,
Klängen, die sie nicht verstehen

Es bilden sich Horden gar,
an diesen Stellen,
sie hören zu, gebannt zwar,
doch sinnentleert die Worte gellen


Und von jenen fernen Orten
dringt keine Frage durch diese Pforten
nicht deshalb wird niemand antworten,
und würde es noch ach so lang klingen


Hier in ihrem Heim
kann es noch so finster sein,
denn sie werden ihre Welt nicht hinterfragen


Sollt' sich hinter diesem Stein
denn irgendwo dort noch ein
anderes Leben in weiter Ferne plagen?


Im Universenhort
gibt es neben diesem Ort,
an dem sich Trauer und die Angst eingenistet,


einen ander'n, nicht verdorrt,
an dem keine Seele schmort,
in Tristesse, die ihr ewiges Dasein fristet


Doch trifft sie keine Qualen,
hier im Steinschimmersaal, denn
so war es schon immer und dies ist ihr Leben


Haben doch keine Wahl in
diesem Land, dem fahlen,
nur, zu horchen, wenn die Risse Töne geben


So bleibt ein jeder Ton
eine kleine Attraktion
als Ablenkung von immerwähr'nder Stille


als kurzfristiger Lohn
verschwinden sie schon,
Dies ist Asmaraes apodiktischer Wille


So ziehen die Schemen von dannen,
um die Minen wieder zu bemannen
und die Erze im Herzen zu bannen
und sein Schlagen zu garantieren


Sie wandern wieder über die Weiten,
die Felder die sie beschreiten,
während neue Schiffe davon gleiten,
um sich am Horizont zu verlieren

Sono Unius III


Das Dröhnen ist unerträglich! Es fühlt sich an, als würden meine Trommelfelle bersten!
Die Vibration erfüllt meinen gesamten Schädel so sehr, dass es sich anfühlt, als würde der Schmerz selbst in meine Ohren gespühlt!


Während ich so weit wie nur möglich davon entkommen möchte, scheint es sie anzuziehen. Es ist das erste Mal, dass ich einen Hauch
von Willen in ihnen beobachten kann.


Ich bete, dass dieser Lärm bald ein Ende findet...

Abgott


Und die Schemen auf den Feldern halten,
wenden sich in Richtung Melodie,
starren eine Zeit lang regungslos
und ändern ihren Kurs in Apathie


Vom schönen Klang sogleich verleitet,
nehmen sie den Weg in Kauf
und jedes dieser Wesen schreitet
zielsicher den Steg hinauf,
der Turm ruft und all die verlor'nen
Seelen hoffen insgeheim, dass
ihre im Schwarz halb erfror'nen
Körper der Grund dafür sei'n,
dass sich ein jemand um sie schert,
dass ihnen ein Obdach geboten,
und das Lied nun hinausfährt,
auf dass sie den Ursprung ausloten
Es ist nicht das erste Mal,
das Tor stand zuvor niemals offen,
doch bleibt ihnen keine Wahl,
als aufGeschlossenheit zu hoffen


Körper drücken gegen Stein
Es könnten nicht noch mehr sein

Und sie wandern in Massen,
doch niemand wird sie hinein lassen


Gegen den Fuß des Abgottes
branden transparente Getreue
und obwohl der Platz schon ausgefüllt,
folgen stetig immer wieder neue


Dann, nach langer Zeit des Treibens
und des an-die-Pforte-Reibens

Verstummt das Lied aufs Neue,
die Schemen brechen ihm die Treue

Sono Unius IV


Es lockt sie an. Scheinbar suchen sie alles auf, was Geräusche macht.
Es ist, als wollten sie ihre Unfähigkeit damit begründen, als erhofften sie sich eine Antwort.

Aber letztendlich erreichen sie nur das Gegenteil und werden noch stummer.


Es scheint eine Verbindung zu geben. Ich kenne diese Laute, die aus den Lichtern dringen.
Ich würde ihnen gern aus der Nähe lauschen.
Sie versammeln sich geduldig darum.


Es sind Tausende.


Manchmal habe ich das Gefühl, ich könnte durch meine Hände sehen...

© 2019 by Marvin Dassios